Widersinnig: Der Drittelparagraph

Zumindest hier in Rheinland-Pfalz gilt bei Klassenarbeiten der sogenannte Drittel-Paragraph:

Erreicht mind. ein Drittel der Schüler bestenfalls die Note mangelhaft (5), so entscheidet der Schulleiter nach Anhörung des Fachlehrers und Schülervertretern, ob die Arbeit wiederholt werden muss.

Meine drei Textverarbeitungskurse erreichten in nahezu inhaltsgleichen Kursarbeiten folgende Resultate:

1 2 3 4 5 6 Schnitt 1/3 mit Note 5 od. 6?
Kurs 1 1 6 4 1 3,4 nein
Kurs 2 2 4 3 2 1 3,6 nein
Kurs 3 1 4 1 3 3,0 ja

Offensichtlich erfüllt der Drittel-Paragraph seinen ehrenswerten Zweck nicht, denn dass ich ausgerechnet mit dem besten Kurs darüber diskutieren muss, ob die Arbeit zu schwer war, während die beiden anderen das Ergebnis schlucken müssen, erscheint befremdlich.

Meines Erachtens gibt es noch weitere Gründe, die Regelung ersatzlos abzuschaffen:

  • Einige Lerngruppen brauchen ein unmissverständliches und gemessen an Lehrplänen, Standards etc. realisitisches Signal, dass ihr Lernengagement derzeit unzureichend ist.
  • Die Schulleitung genehmigte bislang jede meiner Arbeiten. Nicht aus einer Routine heraus, sondern nach sorgfältiger Abwägung der vorgelegten Fakten (Dokumentation der Unterrichtsinhalte, inhaltsähnliche HÜs, Hausaufgaben und Hefteinträge). Offensichtlich schätzt man als Lehrer den Schwierigkeitsgrad der Arbeiten im Regelfall richtig ein.
  • In zwei Fällen merkte ich bei der Korrektur, dass die Aufgabenstellung die Schüler derart verwirrte, dass selbst gute Schüler weit hinter ihren Möglichkeiten zurückblieben. Ich setzte kurzerhand eine neue Arbeit auf, obwohl es nur zwei Fünfen und keine Sechs gab, die Voraussetzungen des Drittelparagraphen damit gar nicht erfüllt waren.
  • Das Bemühen einiger Kollegen, den Notenspiegel durch ein zurechtgebogenes Bewertungsschema zu frisieren, lässt nach, wenn keine zeit- und korrekturaufwändige Wiederholungsarbeit droht. Vielleicht werden Ergebnisse dann vergleichbarer?

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