Zensurenfreie Zeit

Große Diskussion im Lehrerzimmer: Darf ich nach der Halbjahres-Zeugniskonferenz bis zum Beginn des zweiten Halbjahres Leistungsnachweise fordern? Wann beginnt überhaupt das zweite Halbjahr? Ich habe das Wochenende genutzt, um diesen Fragen einmal nachzugehen.

Im so genannten Hamburger Abkommen wurde die Dauer eines Schuljahres deutschlandweit einheitlich festgelegt: Es beginnt am 1. August und endet am 31. Juli (vgl. rheinland-pfälzisches Schulgesetz, § 8). Eine ebenso eindeutige Festlegung über das Ende des ersten und den Beginn des zweiten Halbjahres habe ich nicht finden können.

Viele Kollegen glauben, das zweite Schulhalbjahr beginne am 1. Februar. Für diese Auffassung spricht, dass die Schulbehörden freie Stellen in der Regel nur zum Monatsersten besetzen. Vielerorts ist es daher auch üblich, dass der Stundenplan für das 2. Halbjahr ebenfalls ab dem 1. Februar gilt, um Vertretungsunterricht und Unterrichtsausfälle wegen noch nicht verfügbarer Lehrkräfte zu vermeiden. Doch diese organisatorischen Rahmenbedingungen müssen für eine Leistungsüberprüfung faktisch irrelevant sein.

Aus Sicht von Eltern und Schülern endet das erste Halbjahr mit der Aushändigung des Halbjahreszeugnisses. Der Zeitpunkt der Zeugnisausgabe dürfte in allen Schulgesetzen bzw. -ordnungen festgelegt sein (RLP: am Freitag vor dem letzten Wochenende im Januar; § 53 Abs. 5 ÜSchO). Folglich ist der erste auf die Ausgabe folgende Schultag der erste Tag des zweiten Halbjahres.

Strittig wäre nun noch, ob in den wenigen Tagen zwischen Zeugniskonferenz und -ausgabe Leistungsnachweise gefordert werden können. Da wir am Ende des Schuljahres kein Zeugnis über die im zweiten Schulhalbjahr erbrachten Leistungen, sondern ein Jahreszeugnis ausstellen, könnte man zur Auffassung gelangen, eine genaue zeitliche Zuordnung zu einem bestimmten Halbjahr sei letztlich nicht erforderlich. Demnach wäre gegen eine Überprüfung nichts einzuwenden.

Allein aus pädagogischen Erwägungen heraus erscheint es jedoch sinnvoll, zwischen der Konferenz und dem Aushändigen der Zeugnisse auf Leistungsnachweise gänzlich zu verzichten. Für viele Schüler ist das Halbjahreszeugnis ein (Warn-) Signal – verbunden mit dem Appell, sich im kommenden Halbjahr mehr anzustrengen. Eine Überprüfung, die kurz vor der Zeugnisausgabe geschrieben, im Extremfall aber erst nach der Ausgabe zurück gegeben wird, erscheint in diesem Sinne kontraproduktiv.

Fazit

Im Zeitraum zwischen der Zeugniskonferenz und -ausgabe würde ich auf Leistungsfeststellungen verzichten. Von dieser Regelung weiche ich in Einzelfällen ab, wenn ich eine positive Entwicklung durch eine entsprechende Rückmeldung an den Schüler bestärken kann.

Der oft angeführte Stichtag 1. Februar scheint in Bezug auf Leistungsfeststellungen gänzlich irrelevant zu sein.

2 Replies to “Zensurenfreie Zeit”

  1. Bei uns in Bayern steht im Moment ja gerade die Zeit zwischen Zeugnis und Konferenz vor der Tür.
    Auch wenn ich dir mit der „Warnschuss-Argumentation“ zustimmen muss, so sehe ich beim Fazit zwei Probleme:
    1. In einem Nebenfach ist es sowieso schon schwer genug in der vollen Stundenzahl von allen eine belegte und dokumentierte echte mündliche Note zu machen. Dabei noch einmal auf vier Unterrichtsstunden in zwei Wochen verzichten, macht es nicht leichter.
    2. Manche Schüler sind von unserem Schulsystem verdorben und nur noch extrinsisch über Noten motiviert. Sollte man in dieser Zeit keine Noten machen, ist der Unterricht für diese vergebens, weil sie sich nicht anstrengen.

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