Krisenplan

Vor über einer Woche begann ich mit einem Beitrag über Krisenpläne an Schulen:

Vorgestern [25.01.07] las ich bei TeachersNews einen Beitrag über einen Krisenplan für Schulen des DIfS. Gestern blätterte ich die neue Ausgabe der Zeitschrift schul-management durch und fand auch dort einen Artikel über einen „Krisen-Ordner“: In skandinavischen Ländern scheint es für alle Schulen verbindlich zu sein, einen Maßnahmenkatalog für den Krisenfall festzulegen.

Weiter war ich nicht gekommen. In meinen fünf Lehrerjahren hätte ich einen solchen Krisenplan – zum Glück – noch nie brauchen können. Ich bin mir sicher, an meiner Schule geht es den Kollegen ähnlich; sie würden mit Kopfschütteln und Unverständnis reagieren, wenn die Erarbeitung eines Maßnahmenkatalogs auf der Tagesordnung einer Konferenz stehen würde: „Sinnlose Beschäftigungstherapie; dazu besteht HIER doch gar kein Anlass; im Erstfall läuft sowieso nichts nach irgendeinem Plan…“ – man kennt diese Kommentare ja.

Am Dienstag berichtete Herr Rau in seinem Lehrerzimmer über den Unfalltod eines Schülers: „Am Montag war ich einigermaßen hilflos im Unterricht.“ In einem Kommentar beschreibt Kollege croco: „Zwei Mal schon hab ich es erleben müssen, dass Schüler gestorben sind. Wir haben Blumen auf den Platz gestellt, und eine Kerze, für eine Weile.“ Erst einmal nachdenken…

Ich bin mir noch immer unschlüssig: Ist ein Krisenplan im Ernstfall wirklich eine Hilfe? Genügt es nicht, wenn die Schulbehörden allgemeine Handlungsanweisungen geben, die – mit deutlich weniger (Überzeugungs-) Aufwand – an die lokalen Gegebenheiten anzupassen sind? Ist eine Krise überhaupt plan-bar?

4 Replies to “Krisenplan”

  1. Hallo lieber Schwellenpädagoge,

    das mit dem „Krisenplan“ muss man doch differenzierter sehen. Es kommt ganz darauf an, wo die Schule sich befindet. Da ich im Moment als Auslandslehrer an der Deutschen Schule Quito / Ecuador unterrichte, habe ich die Vorzüge solcher Krisenpläne zu schätzen gelernt (auch wenn sie zugegebenermaßen nicht hundertprozentig funktionieren!). Aber hier haben wir in den letzten vier Jahren neben einem Vulkanausbruch mit Ascheregen und verschiedenen Erdbeben auch eine politische Krise nach einem Präsidentensturz mit Hilfe derartiger Notfallpläne (zumindest in schulischer Hinsicht)einigermaßen meistern können. Und auch als Elternteil ist man beruhigter, wenn man weiß, dass die lieben Kleinen im Ernstfall eben erst dann nach Hause (bzw. zu einem in unmittelbarer Schulnähe wohnenden Mitschüler)entlassen werden, wenn keine Gefahr mehr besteht.Ich gebe allerdings zu, dass mir im heimischen Schleswig-Holstein die Einsicht in die Notwendigkeit derartiger Planungen auch gefehlt hätte!
    Gruß vom Äquator aus etwa 3000m Höhe in den Anden!
    Reinhard

  2. Hallo Reinhard,

    vielen Dank für Deinen interessanten Bericht aus der Ferne. Ich stimme Dir zu: ein 08/15-Krisenplan, der die Bedürfnisse aller Schulen gleichermaßen berücksichtigen will, ist das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt ist. Jede Schule muss – je nach Situation vor Ort – einen eigenen Plan entwickeln. Doch muss jede Schule mit einem weißen Blatt Papier beginnen und das Rad neu erfinden?

    Ich wünschte mir eine Vorlage, die inhaltlich den roten Faden vorgibt und für relativ „alltägliche“ Krisenfälle, die das Leben leider mit sich bringt (z. B. den Tod eines Schülers oder Lehrers), mehrere Vorschläge bereit hält.

  3. Sinnvoll vielleicht schon, aber wer kann „alltägliche“ Krisenfälle umfassend katalogisieren? Wir hatten schon einmal eine Androhung von Gewalt an unserer Schule – und waren völlig ratlos und dementsprechend konfus in unseren Vorsichtsmaßnahmen. Geholfen hat da keine Institution.

  4. Dein Beispiel zeigt, dass es in der Tat sinnvoll ist, sich schon VOR einem Ernstfall Gedanken über ein sinnvolles und abgestimmtes Vorgehen zu machen.

    Die Hände in den Schoß zu legen und darauf zu hoffen, dass im Ernstfall Hilfe von außen kommt, ist in den wenigsten Fällen sinnvoll.

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