Monats-Archiv für November 2007

Reingerufen [12]

Ahnen heißt: nichts wissen.

Ein Kollege über Bildungsministerin Doris Ahnen.

Realschule plus – Informationsabend der lokalen SPD

In der vergangenen Woche besuchte ich eine Informationsveranstaltung der SPD zur geplanten Schulstrukturreform. Eingeladen und moderiert hatte die hiesige Landtagsabgeordnete Anne Spurzem. Das Konzept stellte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag Alexander Fuhr vor. Die Veranstaltung war mit rund 50 Teilnehmern, überwiegend Lehrkräfte aus allen Schulformen, gut besucht.

Einige zentrale Aussagen:

  • Über die Schullaufbahn entscheiden auch künftig ausschließlich die Eltern. Dies gelte sowohl für die Wahl der Schulform nach der Grundschule, als auch am Ende der kooperativen Orientierungsstufe.
  • Gymnasiallehrer berichten, dass bereits heute Schüler mit Hauptschulempfehlung am Gymnasium angemeldet werden und dort auch aufgenommen werden müssen. Die Einschätzung der versammelten Lehrerschaft, dass damit zu rechnen ist, dass sich der Run auf die Gymnasien fortzusetzen und zu verschärfen droht, teilt die Politik nicht. Man rechne lediglich mit einer “gewissen Unsicherheit” der Eltern in der kommenden Anmeldesaison.
  • Von der Lehrerschaft wurde vorgeschlagen, eine Abschlussprüfung am Ende der neunten und zehnten Klasse einzuführen, um die Qualität der Abschlüsse zu sichern (15 Bundesländer haben diese schon). Die Forderung wird von Fuhr zurückgewiesen, da die an Regionalen Schulen, Dualen Oberschulen, Hauptschulen mit freiwilligem zehnten Schuljahr und Realschulen vergebenen Abschlüsse bereits vergleichbar seien.
  • Den Vorschlag, eine Qualitätsmessung am Ende der 10. Klasse in den nächsten drei Jahren einzuführen, um den aktuellen Qualitätsstandard mit den Bildungsergebnissen der Realschule plus vergleichen zu können, bezeichnete die Abgeordnete Spurzem als “sehr interessanten Ansatz.”
  • Die Möglichkeit, die Fachoberschule an der künftigen Realschule plus anzubieten, soll auf rund 40 Schulen beschränkt bleiben. Unterrichten sollen dort überwiegend Gymnasiallehrer; eine zusätzliche Qualifizierung von Realschullehrer sei denkbar.
  • Vielfach wurde kritisiert, dass das Konzept für schulmüde Jugendliche keine Anreize bietet. Anstatt sie praxisnah auf ein Berufsleben vorzubereiten, werden sie nur weiter beaufsichtigt. Die Realschule plus müsse daher besonders attraktiv sein, so Fuhr.
  • Beide Abgeordneten versprachen sich dafür einzusetzen, dass mittelfristig Lehrkräfte an der Realschule plus einheitlich besoldet werden. Derzeit sind Hauptschullehrer in der Besoldungsgruppe A12, Realschullehrer in A13.

Neue Stundentafeln für die Sek I

Nachdem ich unlängst böse über die Informationspolitik auf dem Bildungsserver geschimpft habe, ist es nun aber auch mal Zeit für ein aufrichtiges Lob: Noch vor der Veröffentlichung im Amtsblatt kann man sich die Verwaltungsvorschrift zu den neuen Stundentafeln, die in der Sekundarstufe I ab 2008/2009 schrittweise eingeführt werden, herunterladen.

Die meines Erachtens wichtigste Neuerung besteht in der Flexibilität der Stundentafel: Statt für jede Klassenstufe die Stundenzahl pro Fach fix vorzugeben, können die Stunden flexibel in den Klassenstufen 5/6 und 7-10 verteilt werden. Außerdem wurde die Anzahl an Unterrichtsstunden für die Klassen 5/6 auf insgesamt 30 pro Woche erhöht.

Skeptisch stehe ich der Einführung der Wahlpflichtfächer in der Klassenstufe 6 (statt bislang 7) gegenüber. Einerseits möchte man eine zu frühe Trennung vermeiden, andererseits findet nun noch früher eine Spezialisierung, z.B. auf die 2. Fremdsprache, statt. Meines Erachtens hat bereits die Vorverlegung des Englischunterrichts in die Grundschule nichts gebracht. Mir wäre lieber, die Schüler würden erst einmal die “Fremdsprache Deutsch” beherrschen lernen.

Kinder mit ADHS haben verzögerte Hirnentwicklung

Bei Kindern mit der Aufmerksamkeitsdefizitstörung ADHS entwickelt sich das Gehirn normal, aber zeitverzögert. Viele Hirnregionen reifen im Schnitt drei Jahre später als bei Kindern ohne die Verhaltensauffälligkeiten, haben amerikanische und kanadische Forscher nachgewiesen.

weiterlesen beim SPIEGEL

Die Uhren auf dem Bildungsserver drehen sich rückwärts

Als ich am vergangenen Freitag, 2. November, meinen Beitrag über die Schulstrukturreform Rheinland-Pfalz – Schlagwort: “Realschule plus” – schrieb, war kritisch anzumerken, dass auch vier Tage (inkl. einem Feiertag) nach der offiziellen Presseerklärung keinerlei Informationen auf dem Bildungsserver zu finden waren. Diesen Missstand hat man inzwischen abgestellt, indem man auf die Presseerklärung des Ministeriums verlinkt.

Ein fader Beigeschmack jedoch bleibt: Der Eintrag wurde auf das Datum der Pressekonferenz zurückdatiert:

Update: Hier ist der Beweis: Google speichert den Inhalt von Homepages für einige Tage auf dem eigenen Server (“Cache”). Der linke Screenshot zeigt die offizielle Fassung des Bildungsservers, der rechte den tatsächlichen Seiteninhalt vom 4. November 2007: