Fernsehtipp: Die ideale Schule. Wie Integration gelingt

Deutschland, 2008
Regie: Norbert Buse, Kathrin Sonderegger
Produzent: Buse Filmhouse Berlin

Dienstag, 23. Juni 2009 um 21.00 Uhr auf ARTE
Wiederholung: 3. Juli 2009 um 10:00 auf ARTE

Pressetext von ARTE:

Fünf ganz unterschiedliche Schulen in Frankreich, Spanien, Schweden, den Niederlanden und Deutschland haben Filmemacher Norbert Busè und Kathrin Sonderegger besucht und mit der Frage konfrontiert, wie gute Bildungsarbeit in Europa gelingen könnte. Ihre Reportage präsentiert erfolgreichen Unterricht und zeigt konkrete Beispiele gelungener Integrationsprogramme. Sie will nicht die unterschiedlichen Ansätze bewerten, sondern zeigen, wie es die jeweils anderen machen und was sie voneinander lernen können. Zu Wort kommen Schüler, Lehrer, Eltern sowie Experten aus Wissenschaft und Politik.

In Deutschland leben etwa 4,5 Millionen Kinder, deren Eltern eingewandert sind. Annähernd die Hälfte dieser Kinder verlässt die Schule ohne Abschluss. Ein miserables Ergebnis für die deutsche Bildungspolitik. Gerade im für junge Menschen zentralen Ort Schule manifestiert sich die Lebenswirklichkeit besonders deutlich. Sie liefert Belege dafür, welche Chancen „Migrantenkinder“ in der Gesellschaft bekommen, inwieweit ihnen beruflicher Erfolg beschieden sein wird und ob ein gesellschaftliches Miteinander funktioniert.
Die Reportage konfrontiert in fünf Ländern – Frankreich, Spanien, Schweden, den Niederlanden und Deutschland – Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler mit der Frage, wie hier Integration und der Bildungsauftrag verstanden und umgesetzt werden. Wie könnte die ideale Schule aussehen? Die Autoren beginnen ihre investigative Reise in Spanien. In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der Zuwanderer verdoppelt. In einer Vorstadt von Madrid lebt Guarda. Seit zweieinhalb Jahren ist die 16-Jährige mit ihrer marokkanischen Familie in Spanien. Sie besucht eine der sogenannten Willkommensschulen. Hier lernen die Kinder erst einmal gründlich Spanisch. Die Willkommensschulen sind nicht nur technisch bestens ausgestattet, sondern verfügen auch über genügend Lehrer, um eine intensive Betreuung der Kinder zu gewährleisten. Und diese Lehrer werden in Spanien auf die kulturelle Vielfalt in den Klassenräumen vorbereitet. Diese Programme kosten natürlich Geld. Doch das Geld, so ist sich Spanien sicher, ist gut investiert, denn Kinder wie Guarda glauben an ihre Zukunft in der neuen Heimat. Guarda ist ein Beispiel dafür, wie Kindern und Jugendlichen das Selbstvertrauen vermittelt wird, dass sie gebraucht werden in ihrer neuen Heimat und dass sie ihre Wurzeln nicht verleugnen müssen.
In Frankreich, wo sich die Schule insbesondere als „Schmiede des republikanischen Geistes“ versteht, lernt der Zuschauer Malik und Eldine kennen, die beide in Frankreich geboren und aufgewachsen sind und sich dennoch nicht gleichberechtigt fühlen. In den Niederlanden begegnet das Kamerateam Zeynep, deren Eltern aus der Türkei stammen und viel dafür investieren, dass ihre Kinder in der neuen Heimat die besten Chancen haben. Und schließlich Phanpilat in Schweden. Die junge Thailänderin ist mathematisch sehr begabt. Ihr Lehrer an einer der renommiertesten Schulen des Landes, die gleichzeitig einen sehr hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund hat, fördert ihre Begabung.
In Berlin-Kreuzberg besuchen die Filmemacher die Fichtelgebirgs-Grundschule. Hier stammen 90 Prozent der Kinder aus nicht-deutschen Familien. Und anders als in den meisten europäischen Nachbarländern sprechen hier fast alle dieselbe Muttersprache: Türkisch. Wird auch auf dem Schulhof und in der Klasse mehr Türkisch als Deutsch gesprochen, zementiert sich das sprachliche Defizit. An der Fichtelgebirgs-Grundschule haben Schulleitung und Lehrer erkannt, dass es ohne die Mitarbeit der Eltern nicht geht. Und die, so hat man festgestellt, sind sehr motiviert, am Schulleben ihrer Kinder teilzunehmen und auch ihre eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern. Das „Rucksackprojekt“ ist ein großer Erfolg, besonders auch deshalb, weil die Kinder endlich spüren, dass ihre Schule, ihr Leben, ihre Kultur wertgeschätzt werden.
Fünf Länder, fünf Gesellschaften und fünf unterschiedliche Bildungs- und Integrationsansätze. Die Reportage macht deutlich, dass es nicht ein einzelnes Paradebeispiel in Europa gibt, sondern unterschiedliche Ansätze, von denen jeder Nachbar etwas abschauen kann.

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