Protokoll der Zeugniskonferenz

Eine Schülerin der Klasse 10 protestiert gegen die Entscheidung der Klassenkonferenz, ihr keine Gymnasialempfehlung auszusprechen. Der Protokollvordruck und die Handreichungen der Schulleitung erwecken den Eindruck, im Protokoll der Zeugniskonferenz müssten lediglich Inhalte aufgenommen werden, die sich im Zeugnis wieder finden. Das Protokoll fungiert als komprimierte Darstellung der Zeugnisse einer Klasse. Ein fataler Irrtum!

Ein fiktives Beispiel aus unserer Protokollpraxis:

Maier, P. (D 2, E 2, M 3+, Schnitt 2,3): Gymnasialempf.
Schmitt, P. (D 2-, E 2-, M 1, Schnitt 2,4): Gymnasialempf.

Im Konferenzverlauf wurde auch über die Leistungen von Lieschen Müller diskutiert. Die Sportskanone hat einen Schnitt von 2,3 aufgrund einer 1 in Sport, jeweils einer 2 in Bio, Geschichte, Sozialkunde und Musik. In den Hauptfächern allerdings sind zwei Dreien und eine Vier verbucht. Zudem wurde vorgetragen, dass sie häufiger ihre Hausaufgaben vergisst, was Rückschlüsse auf ihre Arbeitshaltung erlaube. Die Konferenz sprach sich mehrheitlich gegen eine Gymnasialempfehlung aus.

Doch diese Entscheidung und v.a. die Entscheidungsgründe sind im Konferenzprotokoll nicht ersichtlich. Würde Lieschen tatsächlich Widerspruch gegen die Entscheidung der Konferenz einlegen, drängt sich dem neutralen Betrachter die Frage auf, ob ihre Leistungen überhaupt erörtert wurden. Vielleicht hat man sie nur irrtümlich übersehen? Ein aufwändiges Hin und Her mit offenem Ende beginnt.

Daher führe ich in meinem Protokoll alle diskutierten Schülerleistungen auf, auch wenn die Konferenz auf den Beschluss einer Bemerkung, Empfehlung oder was auch immer verzichtet:

Müller, L. (D 3, E 4, M 3, Schnitt 2,3): unzureichende Arbeitshaltung, z. B. Hausaufg.; keine Gymnasialempf.

Vorbereitung auf die Zeugniskonferenz

Bei uns finden die Zeugniskonferenzen an zwei aufeinander folgenden Tagen statt, um nächtliche Sitzungen zu verhindern. Gestern ging’s mit den Klassen 7-10 los, heute folgt die Orientierungsstufe.

In einer achten Klasse kam es gestern zum Eklat: Der Klassenleiter, stets bestrebt, seine Konferenz in max. 5 Minuten zu beenden, hatte bereits handschriftlich das Protokollblatt ausgefüllt, bevor die Sitzung überhaupt begann. Doch da ertreisteten sich einige Kollegen und forderten für einzelne Schüler zusätzliche Bemerkungen. Der Klassenleiter wehrte sich mit Händen und Füßen – vordergründig aus pädagogischen Gründen, tatsächlich schien es ihm aber darum zu gehen, eine Neuanfertigung des Protokolls, das in der bereits vorliegenden Fassung die einzig objektive Einschätzung seiner Klasse widerspiegeln würde, zu verhindern.

Obwohl ich mit meiner 6. Klasse erst heute an der Reihe bin, habe auch ich das Protokoll bereits am Wochenende geschrieben, jedoch nicht per Hand, sondern am PC. Dies hat einige Vorteile:

  • Ich mache mir bereits im Vorfeld der Konferenz Gedanken, wie ich Bemerkungen auf dem Zeugnis formulieren möchte. Meine Bemerkungen sind individuell auf den einzelnen Schüler zugeschnitten, da ich auf die Textbausteine des Zeugnisprogramms verzichte. Die Suche nach Formulierungen, die so manche Konferenz schier endlos in die Länge zieht, entfällt.
  • Sollte es im Konferenzverlauf Ergänzungen oder Überarbeitungen geben, sind diese schnell, einfach und unkompliziert nachzutragen.
  • Dank USB-Stick können die Bemerkungen schnell und einfach aus dem Protokoll in das Zeugnisprogramm kopiert werden. Gravierende Bemerkungen kopiere ich zusätzlich in die elektronische Schülerakte.
  • Für die Vorbereitung der Jahres-Konferenz drucke ich mir das Protokoll aus dem Januar noch einmal aus und überlege, ob sich das Verhalten des Schülers verändert hat. Meist habe ich den Eindruck, dass zumindest kleine Erfolge zu verzeichnen sind, auch wenn die Anzahl und die Formulierungen der Klassenbucheinträge ein gegenteiliges Bild vermitteln. Beim Formulierungsentwurf versuche ich meine Eindrücke zu berücksichtigen.
  • Die Eltern meiner Klasse erhalten regelmäßig eine kurze Mitteilung, falls ihr Kind ins Klassenbuch eingetragen wurde. Zu diesem Zweck kopiere ich mir alle zwei Wochen die entsprechenden Seiten aus dem Buch und übertrage die verhaltens- und mitarbeitsrelevanten Einträge in das entsprechende Briefformular. Auf diese Weise ist es ein leichtes, zur Vorbereitung der Zeugniskonferenz eine Übersicht über alle Einträge zu erstellen. Bei so manchem Schüler fällt erst dabei auf, dass er sich über das Jahr hinweg regelmäßig kleinere Vergehen erlaubt. Ab einer gewissen Häufung passe ich dann die Kopfnote an.

Dieses Verfahren ist datenschutztechnisch nicht unproblematisch. Ich versuche die Gradwanderung, indem ich die Dateien auf einem verschlüsselten Bereich der Festplatte ablege und die Dateien lösche, sobald ich die Klassenleitung abgebe.