Das neue Schulsystem in Rheinland-Pfalz

Am 12. Dezember 2008 beschloss der rheinland-pfälzische Landtag die Schulgesetznovelle. Im Mittelpunkt steht die Reform des Schulsystems, die zum 1. August 2009 beginnt und spätestens 2013 abgeschlossen ist. Bis dahin werden alle Haupt-, Realschulen sowie die Dualen Oberschulen (DOS) und Regionalen Schulen in die neue Form Realschule plus überführt.

Die Realschule plus existiert in einer integrativen und kooperativen Form. Außerdem gibt es im Bereich der weiterführenden Schulen die integrierten Gesamtschulen (IGS) und Gymnasien.

Hier eine Übersicht: Schulsystem Rheinland-Pfalz (PDF)

Struktur- statt Personaldebatten

Wir diskutieren nicht über das Personal an den Schulen, wir doktern lieber an den Strukturen herum. […] In Deutschland kann jeder Lehrer werden, der ein mittelmäßiges Abitur hat. Für ein Viertel der angehenden Pädagogen ist der Beruf nur eine Verlegenheitslösung.

Eine kritische Betrachtung der Lehrerausbildung findet man im STERN.


(via Bildung
aktuell)

Realschule plus – Das Dossier

Ursprungsbeitrag vom 2. November 2007, 11:18 Uhr, letztes Update: 12. März 2008

Am Dienstag kündigte Ministerin Ahnen eine Reform des Rheinland-Pfälzischen Schulsystems an: Bis 2013 werden aus Haupt- und Realschulen die neue Schulform „Realschule plus“. In diesem Dossier sind Konzepte, Kommentare und Diskussionen zur Schulreform chronoligisch zusammengestellt:

„Realschule plus – Das Dossier“ weiterlesen

Schulstrukturreform: Lehrerkontingente sollen ausgebaut werden

Anfang Dezember habe ich hier die in der Diskussion befindlichen neuen bzw. alten Schulformen miteinander verglichen. Da das Ministerium lediglich den groben Rahmen umrissen hat und bis heute kaum Details zur Umsetzung verlauten ließ, beruht die Darstellung in einigen Punkten auf der noch geltenden Rechtslage.

Interessant ist dabei, dass integrative Schulformen über deutlich mehr Lehrerwochenstunden (LWS) verfügen: Eine Regionale Schule hatte 81 LWS, eine Duale Oberschule (DOS) 101 LWS und eine Integrierte Gesamtschulen sogar 133 LWS mehr als eine gleich große Realschule.

Am vergangenen Donnerstag wohnte ich einer Diskussionsveranstaltung bei, in deren Verlauf sich der Vertreter des Ministeriums zu dieser Frage äußerte. Die zuständige Planungsgruppe erwarte, dass sich die Stundenzuweisungen für die künftige Realschule plus an den höheren Sätzen orientiere – und zwar unabhängig davon, ob man sich am Standort für die integrative oder kooperative Realschule plus entscheidet. Konkrete Zahlen könne er noch nicht nennen, doch man werde sicher positiv überrascht sein.

Mal schauen, was von diesem Versprechen am Ende des Gesetzgebungsverfahrens („noch in diesem Jahr“) übrig bleibt…

„Leistung statt Wohlfühlschule“

Manfred Prenzel, Professor für Pädagogik und Pädagogische Psychologie, leitete die PISA-Studien 2003 und 2006. Demnächst tritt er als PISA-Chef ab. In der WELT (04.02.2007, S. 3) äußert er sich zu Schulreformen, Einheitsschulplänen und der Verantwortung von Eltern:

[…] WELT: Zum Beispiel will Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti das gegliederte Schulwesen zugunsten einer Einheitsgesamtschule abschaffen. Ist das Erfolg versprechend?

Unsere Erfahrungen zeigen, dass wir auch im bestehenden System an Qualität gewinnen können. Außerdem gibt es keine Garantie dafür, dass so grundlegende Strukturveränderungen allein positive Effekte haben. Man kann deshalb nur vor unüberlegten Maßnahmen warnen. […]

Wir müssen dafür Sorge tragen, dass sozial benachteiligte Kinder größere Chancen haben, gute Schulleistungen zu erbringen. Ich bin jedoch sehr skeptisch, dass man dies allein mit einem Schulstrukturwechsel hinbekommt. Viel entscheidender ist, dass Schüler stärker individuell gefördert werden. Hier sehe ich noch großen Verbesserungsbedarf. […]

WELT: Welche Bedeutung haben schließlich die Eltern für das Bildungssystem?

Den Familien kommt eine entscheidende UNterstützerrolle zu. Das wird in der bildungspolitischen Debatte viel zu wenig betont. Es geht doch letztlich nicht nur um die Frage, welche Arbeitsstelle ich später habe und wie hoch mein Gehalt ist, sondern vielmehr darum, wie ich mein Leben insgesamt verantwortungsvoll gestalte. Ich habe die Befürchtung, dass wir in den Familien dieses Ziel aus den Augen verloren haben.

(im Internet-Angebot der WELT kann nur eine Zusammenfassung abgerufen werden)