Realschule plus – Welche Zukunft hat die rheinland-pfälzische Schulentwicklung?

Die Landesregierung hat am 30. Oktober 2007 ein Schulentwicklungskonzept zur Neuordnung der weiter führenden Schulen in Rheinland-Pfalz vorgelegt. Seitdem findet eine breite schulpolitische Diskussion statt. Schon bald soll dem Landtag ein entsprechender Schulgesetzentwurf vorgelegt werden. Bereits jetzt werden bei vielen Schulträgern die Weichen für die Schulentwicklung neu gestellt. Welche Zukunft hat die rheinland-pfälzische Schulentwicklung? Welches sind die Bausteine der neuen Schulstruktur in Rheinland-Pfalz, und wie sind sie verfugt und verbunden? Was ändert sich, was bleibt?

Antworten auf diese Fragen möchte der VBE Rheinland-Pfalz landesweit im Rahmen von zehn regionalen Veranstaltungen geben. Die erste Veranstaltung findet am 19. Februar in Trier statt, die (vorerst?) letzte am 6. März in Mainz. Als Referenten konnten Fachleute aus dem MBWJK und von der ADD gewonnen werden.

Alle Termine und Veranstaltungsorte findet man auf der Homepage des VBEs. Ich werde wahrscheinlich die Veranstaltung am 21. Februar in Koblenz besuchen.

Zweigliedrigkeit auf 5 Säulen

In unserem Kollegium wird ebenso wie in der Politik oder bei den Kollegen der benachbarten Hauptschule heftig über die Auswirkungen der Schulstrukturreform diskutiert: Wird unsere Realschule künftig eine kooperative oder integrative Realschule Plus, oder setzt sich gar das Modell der Integrierten Gesamtschule (IGS) durch?

Es ist aber auch verzwickt: Da verkündet die Ministerin die Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem, doch anstelle von zwei gibt es fünf konkurrierende Schulformen: Die kooperative Realschule Plus, die kooperative Realschule Plus mit der Ausrichtung als Duale Oberschule, die Realschule Plus als Regionale Schule, die integrierte Gesamtschule und natürlich das Gymnasium (das von den Reformen – mal wieder – verschont wird).

Ich frage mich, auf welcher Grundlage die Eltern über die Schullaufbahn der Kinder entscheiden, denn eine systematische Gegenüberstellung der unterschiedlichen Schulformen habe ich trotz intensiver Suche nicht finden können. Daher habe ich kurzerhand selbst die Initiative ergriffen und eine kurze und knappe Übersicht erstellt:


Übersicht als PDF-Datei öffnen

Detailfragen der Schulstrukturreform sind noch nicht geklärt, weshalb die Übersicht bezüglich künftiger Entscheidungen und Entwicklungen anzupassen sein wird. Hinweise und Anregungen zur Weiterentwicklung sind herzlich willkommen!

Erweiterung der Übersicht vom 12.12.2008: Anzahl der Lehrerwochenstunden, die in den unterschiedlichen Schulformen zur Verfügung gestellt werden

Bundeseinheitliche Abschlussprüfungen?

Heute und morgen diskutiert man in der Kultusministerkonferenz über eine bundesweit einheitliche Abiturprüfung (Tagesordnung). Mittel- und langfristig kann ich mir zentrale und einheitliche Abschlüsse sehr gut vorstellen, wünschte mir jedoch, dass man sich dabei nicht nur auf Gymnasien beschränkt.

Das Schulsystem in Rheinland-Pfalz ist schon lange nicht mehr dreigliedrig im eigentlichen Sinne: Es gibt Integrierte Gesamtschulen, Regionale Schulen, Duale Oberschulen, Systeme mit integrierter Grundschule und die drei Klassiker Hauptschule, Realschule und Gymnasium. An allen weiterführenden Schulen lässt sich die Mittlere Reife (qualifizierter Sekundarabschluss I) erwerben; als Grundlage dienen die bundeseinheitlichen Bildungsstandards. Warum nur fällt es der Politik so schwer, auf Grundlage der einheitlichen Standards diese auch einheitlich abzuprüfen? Befürchtet man im Ministerium, dass einzelne Schulformen schlechter abschneiden als andere? Die Wirtschaft ist da schon weiter: Personalverantwortliche wissen genau, was eine Mittlere Reife eines Realschülers im Vergleich zu der eines Regionalschulabsolventen Wert ist.

Wieder einmal spielen die Verantwortlichen Pippi Langstrumpf: „Ich mach‘ mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt….“

Hausaufgaben – Erhebliche Einschränkung der Freizeit?

Zwei weitere Charts aus unserer Hausaufgaben-Befragung:

„Hausaufgaben schränken meine Freizeit erheblich ein“, lautete die Ausgangsthese, auf die die Schüler wie folgt antworten konnten: trifft immer zu, trifft oft zu, trifft manchmal zu, trifft gar nicht zu. Das Ergebnis:

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Nun interessierte natürlich, wie lange die Schüler „an einem ganz normalen Schultag“ an den Hausaufgaben sitzen:

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Auch wenn man berücksichtigt, dass die Schreibgeschwindigkeit steigt und die Einflussnahme der Eltern im Laufe der Jahre nachlässt, hätte ich nicht damit gerechnet, dass die für Hausaufgaben aufgewendete Zeit von der Orientierungsstufe bis zur Klasse 9 deutlich kürzer zu werden scheint. Dass immerhin 15 % der befragten Neuntklässler angaben, regelmäßig weniger als 20 Min. für die gesamten Hausaufgaben zu investieren, finde ich schockierend. Gleichsam erschreckend ist die Tatsache, dass der durchschnittliche Zeitaufwand von deutlich weniger als einer Stunde von so vielen Schülern als „erhebliche“ Einschränkung erlebt wird.

Ok, ok, mag mancher einwenden: Ein Fünftklässler kann die Zeit gar nicht so genau abschätzen. Daher waren die Schüler eine Woche lang angehalten, ihren täglichen Zeitaufwand zu stoppen und online der Schule zu übermitteln (trotz Zugangsbeschränkung natürlich anonym). Außerdem haben wir die Schüler am Ende der Befragung (immerhin rund 55 Fragen) gefragt, wie viel Zeit sie für die Befragung gebraucht haben. Da die Befragung am PC stattfand, konnten wir die Schätzung mit dem individuellen, tatsächlichen Wert vergleichen. Beide Vergleichskonstellationen zeigten, dass die Schüler den Zeitaufwand relativ realistisch eingeschätzt haben.

Lieblingsfächer

Vor drei Monaten haben wir im Rahmen einer groß angelegten Befragung alle Fünft-, Sechst- und Neuntklässler (225 Schüler, Rücklaufquote: 97 %) zu verschiedenen schulischen Themen befragt. In loser Folge möchte ich hier einige interessante Ergebnisse vorstellen.

Beginnen möchte ich mit der Wahl der Lieblingsfächer. Jeder Schüler konnte aus dem gesamten Fächerkanon max. drei Fächer auswählen, die er besonders mag. Hier das Ergebnis:

lieblingsfaecher.jpg

Für das Fach Ethik habe ich eine Anpassung des Wertes vorgenommen: Nicht 36 % aller rund 150 Schüler der Orientierungsstufe haben das Fach Ethik als Lieblingsfach benannt, sondern 36 % aller Schüler, die auch tatsächlich den Ethikunterricht besuchen. Dies relativiert das Ergebnis ein wenig.

Besonders bemerkenswert empfinde ich, dass die Wahlpflichtfächer (WPF) bei den Neuntklässlern offenbar einen sehr hohen Stellenwert einnehmen. Interessant ist auch, dass sich das Fach Mathematik besonderer Beliebtheit erfreut. Doch die übrigen Hauptfächer folgen unmittelbar auf Platz 6 und 7:

lieblingsfaecher_hauptfach.jpg

Warum die Beliebtheit jedoch im Laufe der Schulzeit nachzulassen scheint, soll in einer weiteren Befragung untersucht werden.