Nach intensiver und reiflicher Überlegung bewerbe ich mich um eine Konrektorenstelle an einer anderen Schule. Nun warte ich auf das Überprüfungsverfahren, das aus einem Kolloquium, der Leitung einer Konferenz und einer Begutachtung einer Unterrichtsstunde eines Kollegen bestehen wird.
Vor dem Kolloquium habe ich keine Angst: Über aktuelle schulpolitische Entwicklungen fühle ich mich informiert und das Qualitätsprogramm der Zielschule habe ich auch bereits mehrfach gelesen. Auch Fachkonferenzen habe ich schon geleitet.
Der Gedanke an die Begutachtung der Fremdstunde bereitet mir jedoch ein wenig Kopfzerbrechen: Fortbildungen zu dieser Aufgabe gibt es nicht und der Schulalltag bietet wenige Gelegenheiten, Beobachtungsbögen aus der Fachliteratur oder dem Internet zu testen. Außerdem fühle ich mich bereits heute unwohl, wenn ich mich gedanklich in die künstlich konstruierte Gesprächssituation mitsamt der Beobachter hineinversetze: Im Rollenspiel eine ungewohnte Position einzunehmen liegt mir eigentlich ganz gut, doch die Bewerbung ist eben – zumindest für den Bewerber – kein Spiel. Zu guter letzt ist dann auch noch eine gewisse Verantwortung, die ich dem Kollegen gegenüber empfinde, der sich freiwillig auf die Situation einlässt.
Wenn jemand aus der geneigten Leserschaft gute Tipps für das Bestehen im Bewerbungsverfahren hat, würde ich mich über eine Nachricht oder einen Kommentar sehr freuen.
Viele Kollegen hören schon gar nicht mehr hin, wenn die Schulleitung (angebliche) Innovationen aus der Wirtschaft auf die Schule übertragen möchte. Evaluation und Qualitätsmanagement sollten als Stichworte genügen. Im Bereich “Projektmanagement” habe ich aber wiederholt feststellen dürfen, dass der Blick über den Tellerrand durchaus lohnend sein kann, denn bei genauerer Betrachtung besteht unser Arbeitsleben aus den vielfältigsten Projekten, die koordiniert sein wollen.