Neue Stundentafeln für die Sek I

Nachdem ich unlängst böse über die Informationspolitik auf dem Bildungsserver geschimpft habe, ist es nun aber auch mal Zeit für ein aufrichtiges Lob: Noch vor der Veröffentlichung im Amtsblatt kann man sich die Verwaltungsvorschrift zu den neuen Stundentafeln, die in der Sekundarstufe I ab 2008/2009 schrittweise eingeführt werden, herunterladen.

Die meines Erachtens wichtigste Neuerung besteht in der Flexibilität der Stundentafel: Statt für jede Klassenstufe die Stundenzahl pro Fach fix vorzugeben, können die Stunden flexibel in den Klassenstufen 5/6 und 7-10 verteilt werden. Außerdem wurde die Anzahl an Unterrichtsstunden für die Klassen 5/6 auf insgesamt 30 pro Woche erhöht.

Skeptisch stehe ich der Einführung der Wahlpflichtfächer in der Klassenstufe 6 (statt bislang 7) gegenüber. Einerseits möchte man eine zu frühe Trennung vermeiden, andererseits findet nun noch früher eine Spezialisierung, z.B. auf die 2. Fremdsprache, statt. Meines Erachtens hat bereits die Vorverlegung des Englischunterrichts in die Grundschule nichts gebracht. Mir wäre lieber, die Schüler würden erst einmal die „Fremdsprache Deutsch“ beherrschen lernen.

Schule muss Lehrer Kosten für Schulbücher erstatten

Bildungsklick berichtet:

Ein Lehrer kann von seiner Schule die Kosten für den Kauf eines Schulbuches, das auf der Schulbuchliste steht und im Unterricht benutzt wird, in Rechnung stellen. Mit dieser Entscheidung gab das Koblenzer Verwaltungsgericht jetzt einem Berufsschullehrer Recht.

Für meine beiden Fächer wurden unlängst neue Bücher eingeführt. Auf die Reaktion der Schulleitung bin ich gespannt, wenn ich die Rechnungen zur Erstattung vorlege…

Im vorliegenden Fall geht es offensichtlich ausschließlich um Bücher, die auch auf der Schulbuchliste standen. Mal abwarten, wann der erste Kollege mit Verweis auf das Urteil auf Erstattung der Kosten für die oft umfangreichen Materialien zur Vor- und Nachbereitung (Lehrerhandbücher etc.) klagt.

Zensurenfreie Zeit – Was sagt die Schulaufsicht?

Gestern besuchte ich eine Fortbildung zum Thema Schulrecht & Leistungsbeurteilung. Es referierte der Hausjurist der Schulaufsicht. Zur unterschiedlichen Auslegung der angeblich zensurenfreien Zeit zwischen Zeugniskonferenz und Beginn des 2. Halbjahres gab er folgende Auskunft:

Entscheidend ist der Zeitpunkt der Bekanntgabe einer Bewertung. Wenn eine Note vor der Zeugnisausgabe dem Schüler mitgeteilt wird, muss die Leistung auch in der Zeugnisnote für das 1. Halbjahr berücksichtigt werden.

Die Zeugnisnote könne daher auch nach der Konferenz bis zur Ausgabe der Zeugnisse jederzeit (formal: in einer zweiten Zeugniskonferenz) geändert werden.

Ebenso möglich sei es aber, die Bewertung erst nach der Zeugnisausgabe bekannt zu geben. Dies sei in der Regel aber nur bei schriftlichen Überprüfungen möglich, da – zumindest in Rheinland-Pfalz – eine Note im mündlichen Bereich spätestens in der Folgestunde zu verkünden ist.

Zensurenfreie Zeit

Große Diskussion im Lehrerzimmer: Darf ich nach der Halbjahres-Zeugniskonferenz bis zum Beginn des zweiten Halbjahres Leistungsnachweise fordern? Wann beginnt überhaupt das zweite Halbjahr? Ich habe das Wochenende genutzt, um diesen Fragen einmal nachzugehen.

Im so genannten Hamburger Abkommen wurde die Dauer eines Schuljahres deutschlandweit einheitlich festgelegt: Es beginnt am 1. August und endet am 31. Juli (vgl. rheinland-pfälzisches Schulgesetz, § 8). Eine ebenso eindeutige Festlegung über das Ende des ersten und den Beginn des zweiten Halbjahres habe ich nicht finden können.

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Protokoll der Zeugniskonferenz

Eine Schülerin der Klasse 10 protestiert gegen die Entscheidung der Klassenkonferenz, ihr keine Gymnasialempfehlung auszusprechen. Der Protokollvordruck und die Handreichungen der Schulleitung erwecken den Eindruck, im Protokoll der Zeugniskonferenz müssten lediglich Inhalte aufgenommen werden, die sich im Zeugnis wieder finden. Das Protokoll fungiert als komprimierte Darstellung der Zeugnisse einer Klasse. Ein fataler Irrtum!

Ein fiktives Beispiel aus unserer Protokollpraxis:

Maier, P. (D 2, E 2, M 3+, Schnitt 2,3): Gymnasialempf.
Schmitt, P. (D 2-, E 2-, M 1, Schnitt 2,4): Gymnasialempf.

Im Konferenzverlauf wurde auch über die Leistungen von Lieschen Müller diskutiert. Die Sportskanone hat einen Schnitt von 2,3 aufgrund einer 1 in Sport, jeweils einer 2 in Bio, Geschichte, Sozialkunde und Musik. In den Hauptfächern allerdings sind zwei Dreien und eine Vier verbucht. Zudem wurde vorgetragen, dass sie häufiger ihre Hausaufgaben vergisst, was Rückschlüsse auf ihre Arbeitshaltung erlaube. Die Konferenz sprach sich mehrheitlich gegen eine Gymnasialempfehlung aus.

Doch diese Entscheidung und v.a. die Entscheidungsgründe sind im Konferenzprotokoll nicht ersichtlich. Würde Lieschen tatsächlich Widerspruch gegen die Entscheidung der Konferenz einlegen, drängt sich dem neutralen Betrachter die Frage auf, ob ihre Leistungen überhaupt erörtert wurden. Vielleicht hat man sie nur irrtümlich übersehen? Ein aufwändiges Hin und Her mit offenem Ende beginnt.

Daher führe ich in meinem Protokoll alle diskutierten Schülerleistungen auf, auch wenn die Konferenz auf den Beschluss einer Bemerkung, Empfehlung oder was auch immer verzichtet:

Müller, L. (D 3, E 4, M 3, Schnitt 2,3): unzureichende Arbeitshaltung, z. B. Hausaufg.; keine Gymnasialempf.