„Lehrer müssen politischer werden“

Bernhard Buess und Ludger Wößmann im Gespräch (Foto: Welt am Sonntag)Das Lob der Disziplin von Bernhard Bueb habe ich nicht gelesen. Die Zusammenfassungen seiner Thesen in mehreren Rezessionen hat mich eher abgeschreckt – nicht umsonst gibt es zahlreiche kritische Antworten auf das Werk des ehemaligen Schulleiters aus Salem (z. B. hier und hier).

Heute dokumentierte die WELT AM SONNTAG ein Streitgespräch zwischen Büb und Ludger Wößmann (Letzte Chance für gute Schulen). Dabei äußerte Bueb:

Die Lehrer müssen politischer werden, mehr selbst in die Hand nehmen, und sie müssen sich zusammentun mit mächtigen Verbündeten, nämlich den Eltern. Dann würden sie auch diese Kluft überwinden, die entstanden ist, weil sie immer nur über die Kinder reden, die nicht genug lernen, statt über gemeinsame Ziele und Visionen und wie sie diese der Politik abfordern. Wenn das geschieht, dann würden auch die Lehrer ihren Ruf verändern, dann würde man sagen: Donnerwetter, was sind das für Leute.

Darauf warte ich bereits seit Jahren…

Foto: Bueb (links) und Wößmann im Gespräch (Quelle: heutige WELT AM SONNTAG)

Na jetzt aber…

In seiner Rede verlangt er [Bundespräsident Horst Köhler] mehr Anerkennung für Lehrer. Die Gesellschaft vertraue ihnen mit den Kindern das Kostbarste an, was sie habe, sagte das Staatsoberhaupt laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript bei der Eröffnung eines Kongresses. Deshalb müsse sie auch bereit sein, den Pädagogen gute Arbeitsbedingungen zu bieten. Dies sei nicht nur eine Frage der Bezahlung. Dazu gehörten angemessene Klassengrößen, fachliche und menschliche Unterstützung und nicht zuletzt auch gesellschaftliche Wertschätzung, so Köhler.

via Netzeitung.de

Neues aus dem Kultusministerium

Eine Weisheit der Dakota-Indianer sagt:

Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!

Zahlreiche Referenten und Ministerialbeamte haben sich den Kopf zerbrochen, um diese Weisheit in den modernen Schulalltag zu übertragen. Hier das Ergebnis der Expertenkommission:

  1. Man besorgt eine stärkere Peitsche.
  2. Man legt Qualitätsstandards für den Beritt toter Pferde fest.
  3. Man stellt Vergleiche unterschiedlicher toter Pferde an.
  4. Man ändert die Kriterien, die festlegen, wann ein Pferd tot ist.
  5. Man präsentiert PowerPoint-Folien was das Pferd könnte, wenn es noch leben würde.
  6. Man besucht andere Orte, um zu sehen, wie man dort tote Pferde reitet.
  7. Man gründet ein Institut für externe Evaluation, um zu analysieren, was mit dem toten Pferd los ist.
  8. Man sagt: „So haben wir das Pferd doch immer geritten. Warum klappt das nicht mehr?“
  9. Man schiebt einen Studientag ein, um besser reiten zu lernen.
  10. Man kauft Seiteneinsteiger von außerhalb ein, damit sie das tote Pferd reiten.
  11. Man schirrt mehrere tote Pferde zusammen an, damit sie schneller werden.
  12. Man macht eine Studie, um zu sehen, ob das Pferd wirklich tot ist.
  13. Man erklärt, dass ein Pferd „besser, schneller und billiger“ tot ist.
  14. Man stellt fest, dass die anderen Bundesländer auch tote Pferde reiten und erklärt dies zum Normalzustand.

(via Kik-Seminare; Tipp von Susanne)

Gesamtschulen – Eine Alternative zu Hauptschulen?

In der heutigen Ausgabe der Welt am Sonntag berichtet ein Lehrer einer Gesamtschule, 20 Jahre an einer solchen im Dienst, sehr eindrucksvoll, warum das Modell der Gesamtschule seiner Meinung nach ungeeignet ist:

Leistungsschwächere Schüler erfahren Tag für Tag, dass andere besser, schneller, erfolgreicher und beliebter sind. Sie erfahren tagtäglich ihre Aussortierung an der Klassentür, wenn sich die Wege zu den Kursen trennen oder wenn schon wieder sie es sind, die die leichteren Aufgaben bekommen. Die niederdrückende und demoralisierenden Wirkungen solcher Bezugsgruppeneffekte gehörten schon 1984 zu den am besten abgesicherten Befunden der Bildungsforschung.

Ich möchte lediglich einen Gedanken hinzufügen: Hier in Rheinland-Pfalz führte man vor einigen Jahren die Regionalen Schulen und Dualen Oberschulen (DOS) ein. Ehemalige Hauptschulen bekamen einen neuen Namen und erarbeiteten sich ein neues Konzept, um ab der Klassenstufe 7 Haupt- und Realschulkurse anbieten zu können. Wer dort am Ende der Klasse 10 einen Realschulkurs besucht, erreicht den gleichen Abschluss wie an der Realschule. Das Niveau jedoch ist deutlich niedriger. Dies bestätigen die umliegenden Gymnasien und weiterführenden Schulen hinter vorgehaltener Hand immer wieder. Doch da diese Meinung politisch nicht opportun ist, liest man davon in ministeriellen Stellungnahmen wenig. Es sollte einem jedoch zu denken geben, dass eine zentrale Abschlussprüfung am Ende der Klasse 10, wie sie in fast allen Bundesländern bereits beschlossene Sache, mitunter bereits eingeführt ist, in Rheinland-Pfalz nicht in Sicht ist.