Realschule plus – Das Dossier

Ursprungsbeitrag vom 2. November 2007, 11:18 Uhr, letztes Update: 12. März 2008

Am Dienstag kündigte Ministerin Ahnen eine Reform des Rheinland-Pfälzischen Schulsystems an: Bis 2013 werden aus Haupt- und Realschulen die neue Schulform „Realschule plus“. In diesem Dossier sind Konzepte, Kommentare und Diskussionen zur Schulreform chronoligisch zusammengestellt:

„Realschule plus – Das Dossier“ weiterlesen

Entwurf des neuen Schulgesetzes

Der rheinland-pfälzische Ministerrat hat gestern die geplante Schulreform des Bundeslandes im Grundsatz gebilligt. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn nur wenige Stunden zuvor begannen die Osterferien. Bis die Kollegien über den Entwurf diskutieren, vergehen mindestens zweieinhalb Wochen. Der Gesetzentwurf zur Zusammenlegung der Haupt- und Realschulen werde nun zur Anhörung an die betroffenen Verbände weitergeleitet.

Die Vorlagen lassen sich hier herunterladen:

Neue Rubrik: Schulrecht Rheinland-Pfalz

Da eine kostenlos zugängliche Sammlung schulrelevanter Vorschriften und Gesetze bislang fehlt, habe ich wesentliche Verordnungen unter der neuen Rubrik Schulrecht zusammengestellt.

Bereits seit ein paar Monaten poste ich allmonatlich das Inhaltsverzeichnis des rheinland-pfälzischen Amtsblatts des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur. Dadurch sollte es möglich sein, auch die neue Vorschriftensammlung auf einem stets aktuellen Stand zu halten. Der Wille dazu jedenfalls ist vorhanden.

Zweigliedrigkeit auf 5 Säulen

In unserem Kollegium wird ebenso wie in der Politik oder bei den Kollegen der benachbarten Hauptschule heftig über die Auswirkungen der Schulstrukturreform diskutiert: Wird unsere Realschule künftig eine kooperative oder integrative Realschule Plus, oder setzt sich gar das Modell der Integrierten Gesamtschule (IGS) durch?

Es ist aber auch verzwickt: Da verkündet die Ministerin die Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem, doch anstelle von zwei gibt es fünf konkurrierende Schulformen: Die kooperative Realschule Plus, die kooperative Realschule Plus mit der Ausrichtung als Duale Oberschule, die Realschule Plus als Regionale Schule, die integrierte Gesamtschule und natürlich das Gymnasium (das von den Reformen – mal wieder – verschont wird).

Ich frage mich, auf welcher Grundlage die Eltern über die Schullaufbahn der Kinder entscheiden, denn eine systematische Gegenüberstellung der unterschiedlichen Schulformen habe ich trotz intensiver Suche nicht finden können. Daher habe ich kurzerhand selbst die Initiative ergriffen und eine kurze und knappe Übersicht erstellt:


Übersicht als PDF-Datei öffnen

Detailfragen der Schulstrukturreform sind noch nicht geklärt, weshalb die Übersicht bezüglich künftiger Entscheidungen und Entwicklungen anzupassen sein wird. Hinweise und Anregungen zur Weiterentwicklung sind herzlich willkommen!

Erweiterung der Übersicht vom 12.12.2008: Anzahl der Lehrerwochenstunden, die in den unterschiedlichen Schulformen zur Verfügung gestellt werden

Realschule plus – Informationsabend der lokalen SPD

In der vergangenen Woche besuchte ich eine Informationsveranstaltung der SPD zur geplanten Schulstrukturreform. Eingeladen und moderiert hatte die hiesige Landtagsabgeordnete Anne Spurzem. Das Konzept stellte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag Alexander Fuhr vor. Die Veranstaltung war mit rund 50 Teilnehmern, überwiegend Lehrkräfte aus allen Schulformen, gut besucht.

Einige zentrale Aussagen:

  • Über die Schullaufbahn entscheiden auch künftig ausschließlich die Eltern. Dies gelte sowohl für die Wahl der Schulform nach der Grundschule, als auch am Ende der kooperativen Orientierungsstufe.
  • Gymnasiallehrer berichten, dass bereits heute Schüler mit Hauptschulempfehlung am Gymnasium angemeldet werden und dort auch aufgenommen werden müssen. Die Einschätzung der versammelten Lehrerschaft, dass damit zu rechnen ist, dass sich der Run auf die Gymnasien fortzusetzen und zu verschärfen droht, teilt die Politik nicht. Man rechne lediglich mit einer „gewissen Unsicherheit“ der Eltern in der kommenden Anmeldesaison.
  • Von der Lehrerschaft wurde vorgeschlagen, eine Abschlussprüfung am Ende der neunten und zehnten Klasse einzuführen, um die Qualität der Abschlüsse zu sichern (15 Bundesländer haben diese schon). Die Forderung wird von Fuhr zurückgewiesen, da die an Regionalen Schulen, Dualen Oberschulen, Hauptschulen mit freiwilligem zehnten Schuljahr und Realschulen vergebenen Abschlüsse bereits vergleichbar seien.
  • Den Vorschlag, eine Qualitätsmessung am Ende der 10. Klasse in den nächsten drei Jahren einzuführen, um den aktuellen Qualitätsstandard mit den Bildungsergebnissen der Realschule plus vergleichen zu können, bezeichnete die Abgeordnete Spurzem als „sehr interessanten Ansatz.“
  • Die Möglichkeit, die Fachoberschule an der künftigen Realschule plus anzubieten, soll auf rund 40 Schulen beschränkt bleiben. Unterrichten sollen dort überwiegend Gymnasiallehrer; eine zusätzliche Qualifizierung von Realschullehrer sei denkbar.
  • Vielfach wurde kritisiert, dass das Konzept für schulmüde Jugendliche keine Anreize bietet. Anstatt sie praxisnah auf ein Berufsleben vorzubereiten, werden sie nur weiter beaufsichtigt. Die Realschule plus müsse daher besonders attraktiv sein, so Fuhr.
  • Beide Abgeordneten versprachen sich dafür einzusetzen, dass mittelfristig Lehrkräfte an der Realschule plus einheitlich besoldet werden. Derzeit sind Hauptschullehrer in der Besoldungsgruppe A12, Realschullehrer in A13.