Land muss Lehrern Schulbücher kaufen

Das Land Rheinland-Pfalz muss seinen Lehrern für den Schulunterricht benötigte Bücher kostenlos zur Verfügung stellen. Allerdings können Lehrer nicht die nachträgliche Erstattung des Kaufpreises für ein Schulbuch verlangen, wenn sie das Buch ohne vorherige Erlaubnis gekauft haben. […]

Zwar sei das Land als Dienstherr aufgrund seiner beamtenrechtlichen Fürsorgepflicht grundsätzlich gehalten, seinen Lehrern die für den Unterricht notwendigen Lehrmittel zur Verfügung zu stellen. Die Kosten hierfür könne sich das Land wiederum vom jeweiligen kommunalen Schulträger – in diesem Fall also der Kreisverwaltung – erstatten lassen.

Aktenzeichen des OVG Koblenz.: 2 A 11288/07.OVG

(via Ad-hoc-news)

Ich bin gespannt, wie Schulleiter und Schulträger auf entsprechende Anträge von Kollegen reagieren…

Korruption durch Annahme von Freiexemplaren

Regelmäßig erhalten Lehrkräfte von Schulbuchverlagen sogenannte „Prüfexemplare“ kostenlos übersandt, zumindest aber zu einem sehr attraktiven Preis angeboten. Die Freigebigkeit sollte nicht als Großzügigkeit verstanden wissen, denn es geht ums Geschäft: Führt eine Fachkonferenz ein neues Lehrwerk ein, verdient der Verlag Schuljahr für Schuljahr an Büchern, Arbeitsheften, Lernhifen usw.

Doch dürfen Lehrkräfte die Freiexemplare überhaupt annehmen, ohne sich dem Vorwurf der Korrumpierbarkeit auszusetzen? Im jüngsten Amtsblatt heißt es dazu:

Lehrkräften […] wird hiermit die Annahme sog. Freiexemplare […] gestattet, soweit es sich um Materialien handelt, die seitens der Lehrkraft […] für ihre schulischen Aufgaben […] benötigt werden. Die Entgegennahme von Vorteilen bleibt unzulässig, wenn sie mit einer Diensthandlung verknüpft wird, insbesondere mit einer Kaufempfehlung an Schülerinnen und Schüler, und wenn der Vorteil eingefordert wird.

Angesichts eines Urteils des Verwaltungsgerichts Münster erscheint die Genehmigung nicht überraschend: Die Richter entschieden seinerzeit, dass Lehrkräfte nicht zum Kauf von Schulbüchern verpflichtet werden können. Durch die „Legalisierung“ der Freiexemplare spart das Land bzw. der Schulträger die Ausstattung der Lehrkräften mit notwendigem Arbeitsmaterial. Wie praktisch…

Neue Rubrik: Schulrecht Rheinland-Pfalz

Da eine kostenlos zugängliche Sammlung schulrelevanter Vorschriften und Gesetze bislang fehlt, habe ich wesentliche Verordnungen unter der neuen Rubrik Schulrecht zusammengestellt.

Bereits seit ein paar Monaten poste ich allmonatlich das Inhaltsverzeichnis des rheinland-pfälzischen Amtsblatts des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur. Dadurch sollte es möglich sein, auch die neue Vorschriftensammlung auf einem stets aktuellen Stand zu halten. Der Wille dazu jedenfalls ist vorhanden.

Besuch der didacta

Gestern machte ich mich zusammen mit acht Kollegen unterschiedlicher Schulen und Fächer auf den Weg zur didacta nach Köln. Einen ausführlichen Erlebnisbericht hat Hockey bereits verfasst. Wie Richard teile ich seine Beobachtungen im Wesentlichen. Dennoch möchte ich einige persönliche Eindrücke hier festhalten:

  • Wir waren bereits um 9.00 Uhr vor Ort. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, denn zu Beginn waren die Aussteller sehr auskunftsfreudig, zuvorkommend und freundlich. Mit zunehmender Zeit und stärkerem Andrang wirkte mancher sehr genervt.
  • Im „Forum Unterrichtspraxis“ referierte Dr. Günter Hoegg zum Thema „Schulrecht – Zwangsjacke oder Sicherheitsweste des Lehrers?“ Auch wenn ich nicht der Meinung bin, dass alles, was juristisch korrekt auch pädagogisch sinnvoll ist, wurden einige interessante Aspekte angesprochen
  • Wieso bekommt die eine Kollegin einen Klassensatz nach Hause geschickt, während ein Kollege zwanzig Minuten später bei dem gleichen Verlagsvertreter noch nicht einmal ein Prüfexemplar bekommt?
  • zebra.jpgÜber Wochen hinweg stießen täglich mindestens sechs Besucher auf die Schwellenpädagogik, da sie bei Google nach kostenlosen Messekarten suchten. Ich habe euch alle wiedererkannt: In den endlosen Schlangen an der Zebra-Glücksscheibe, an den Kassen beim Friedrich-Verlag…
  • Sind diese Schaumstoffrohre, die aufgrund kreativer Befestigungstechnik aus manch schlanker Lehrkraft einen überbreiten Astronautenverschnitt machen, wirklich so teuer, dass man gar nicht anders kann als bei Messegeschenken ungehemmt zuzulangen?
  • Die typische Lehrerinich berichtete – ist auch auf dem Foto zu sehen: Zebra-Scheibe, Schaumstoffrohr plus riesiger, roter Beutesack… Der zierliche Rucksack verdeckt geschickt den Trolley. Trolley? Was für ein Trolley…?
  • Trolleys, diese überall auf der Messe gegenwärtigen Stolperfallen, sollte man auf der nächsten didacta verbieten!
  • Gleiches gilt für die lächerlichen „Hier ist ein Bildungshaus“-Wimpel.

Zensurenfreie Zeit – Was sagt die Schulaufsicht?

Gestern besuchte ich eine Fortbildung zum Thema Schulrecht & Leistungsbeurteilung. Es referierte der Hausjurist der Schulaufsicht. Zur unterschiedlichen Auslegung der angeblich zensurenfreien Zeit zwischen Zeugniskonferenz und Beginn des 2. Halbjahres gab er folgende Auskunft:

Entscheidend ist der Zeitpunkt der Bekanntgabe einer Bewertung. Wenn eine Note vor der Zeugnisausgabe dem Schüler mitgeteilt wird, muss die Leistung auch in der Zeugnisnote für das 1. Halbjahr berücksichtigt werden.

Die Zeugnisnote könne daher auch nach der Konferenz bis zur Ausgabe der Zeugnisse jederzeit (formal: in einer zweiten Zeugniskonferenz) geändert werden.

Ebenso möglich sei es aber, die Bewertung erst nach der Zeugnisausgabe bekannt zu geben. Dies sei in der Regel aber nur bei schriftlichen Überprüfungen möglich, da – zumindest in Rheinland-Pfalz – eine Note im mündlichen Bereich spätestens in der Folgestunde zu verkünden ist.