Reingerufen [16]

Gespräch mit einer Kollegin über ihre letzte Fortbildung.

ich: Und wo setzt du das nun im Unterricht ein?
sie: Ach, gar nicht. Fortbildungen besuche ich für mich, nicht für die Schüler oder den Unterricht.

Bin sprachlos.

Gesamtschulen – Eine Alternative zu Hauptschulen?

In der heutigen Ausgabe der Welt am Sonntag berichtet ein Lehrer einer Gesamtschule, 20 Jahre an einer solchen im Dienst, sehr eindrucksvoll, warum das Modell der Gesamtschule seiner Meinung nach ungeeignet ist:

Leistungsschwächere Schüler erfahren Tag für Tag, dass andere besser, schneller, erfolgreicher und beliebter sind. Sie erfahren tagtäglich ihre Aussortierung an der Klassentür, wenn sich die Wege zu den Kursen trennen oder wenn schon wieder sie es sind, die die leichteren Aufgaben bekommen. Die niederdrückende und demoralisierenden Wirkungen solcher Bezugsgruppeneffekte gehörten schon 1984 zu den am besten abgesicherten Befunden der Bildungsforschung.

Ich möchte lediglich einen Gedanken hinzufügen: Hier in Rheinland-Pfalz führte man vor einigen Jahren die Regionalen Schulen und Dualen Oberschulen (DOS) ein. Ehemalige Hauptschulen bekamen einen neuen Namen und erarbeiteten sich ein neues Konzept, um ab der Klassenstufe 7 Haupt- und Realschulkurse anbieten zu können. Wer dort am Ende der Klasse 10 einen Realschulkurs besucht, erreicht den gleichen Abschluss wie an der Realschule. Das Niveau jedoch ist deutlich niedriger. Dies bestätigen die umliegenden Gymnasien und weiterführenden Schulen hinter vorgehaltener Hand immer wieder. Doch da diese Meinung politisch nicht opportun ist, liest man davon in ministeriellen Stellungnahmen wenig. Es sollte einem jedoch zu denken geben, dass eine zentrale Abschlussprüfung am Ende der Klasse 10, wie sie in fast allen Bundesländern bereits beschlossene Sache, mitunter bereits eingeführt ist, in Rheinland-Pfalz nicht in Sicht ist.

Fernsehtipps

  • Beruf Lehrer
    Montag, 26. Februar 2007, 23:45 – 1:15 Uhr, NDR
    Lehrer: Über kaum eine Berufsgruppe wird derzeit so kontrovers diskutiert. Und nur wenig gestaltet sich momentan so schwierig wie das Beziehungsdreieck Lehrer, Schüler und Eltern. Denn wirklich jeder hat individuelle Erfahrungen mit ihnen gemacht. Jeder hat diese Erlebnisse positiv oder negativ verarbeitet, wurde mehr oder weniger stark von ihnen geprägt. Deshalb wird ein Film über Lehrer und Schule immer ambivalente Gefühle auslösen.
  • Eine Schule, die gelingt. Enja Riegel und die Helene-Lange-Schule
    Sonntag, 15. April 2007, 16:15 – 17:20 Uhr, HR
    Die Helene Lange Schule in Wiesbaden ist eine der besten und eigenwilligsten Schulen in Deutschland. Bei Pisa erreichte sie Spitzenwerte. Dabei streicht diese Schule ein Drittel des üblichen Fachunterrichts für wochenlange, große Projekte, zum Beispiel Theater. Und trotzdem so gute Leistungen? „Nein“, antwort Enja Riegel, die langjährige Schulleiterin, „nicht trotzdem, deshalb so gute Leistungen.“

Deutsche Topmanager: Deutsche Lehrer sind faul

Deutsche Topmanager sind mit den Leistungen des hiesigen Bildungssystems hochgradig unzufrieden. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die die Personalberatung Egon Zehnder für das manager magazin […] bei Führungskräften in der Bundesrepublik, in Frankreich, Großbritannien und den USA durchgeführt hat.

[…]

Den größten Reformbedarf sehen die deutschen Führungskräfte indes bei den Schulen: 80 Prozent kritisieren die Motivation der Lehrer, 53 Prozent deren Qualifikation; die Lehrinhalte und die Struktur des Schulsystems werden von jeweils 55 Prozent als reformbedürftig eingestuft.

(via Manager Magazin)

Dazu passend ein Artikel bei Telepolis: „Happy-Lehrer-Slapping – oder: Kartell des Schweigens. Wenn Eltern am Feindbild Lehrer basteln„:

Jenseits dieser bekannten Manifestationen diverser Bildungs- und Gesellschaftsprobleme hat sich […] eine ganz andere, sehr bürgerliche Form der Randale etabliert, die von fast allen Beteiligten klein geschwiegen wird: eine Art Elternterror.